Deutschland

Weltspartag kein Kindergeburtstag

Christian Enz sieht in Sparverhalten Gefahr für die Zukunft

Bereits zum 93. Mal findet in diesem Jahr ein Weltspartag statt. Mini-Zinsen und verändertes Konsumverhalten haben ihn inzwischen zu einer Veranstaltung für Kinder werden lassen. Christian Enz, Experte für Generationengerechtigkeit, sieht darin eine Gefahr für den Sozialstaat. Er fordert ein Umdenken in Politik und privaten Haushalten.

Am 31. Oktober 1924 rief der Internationale Sparkassenkongress in Mailand zum ersten Mal einen Weltspartag aus. Heute nutzen auch Genossenschaftsbanken und private Geldhäuser den letzten Arbeitstag im Oktober, um auf sich aufmerksam zu machen. Lange Zeit wurden Menschen mit besonders attraktiven Angeboten dazu ermuntert, ihren Konsum freiwillig einzuschränken. „Vor zehn Jahren gab es sichere Sparbriefe mit 5 Prozent Zinsen“, erinnert sich Christian Enz. „Doch das ist lange vorbei“, beklagt der Experte für Generationengerechtigkeit der Freien Wähler. „Der Weltspartag ist zu einem Kindergeburtstag verkommen“. In der Tat lockt die Stadt- und Kreissparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach mit kleinen Eisbären aus Plüsch. Die VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach will mit Bilderbüchern punkten. Ein ähnliches Konzept verfolgen auch die Vereinigten Raiffeisenbanken Gräfenberg-Forchheim-Eschenau-Heroldsberg eG – und honorieren in dieser Woche das Entleeren von Sparschweinen wahlweise mit bunten Tassen, Stofftieren oder einem Strand-Tennis-Set.

Sparen nur noch für Reiche

„Attraktive Angebote für den normalen Sparer sucht man dagegen vergebens“, bedauert Enz. In der Tat wirbt nur die Erlanger Sparkasse speziell zum Weltspartag um das Geld ihrer Kunden. Wer dieses Sonderangebot will, braucht allerdings ein dickes Sparschwein – denn die Mindestanlage beträgt 5.000 Euro. Davon muss die Hälfte in einen Investmentfonds fließen, was riskant sein kann. Oder der Anleger entscheidet sich für ein Versicherungsprodukt und damit für eine schmale Rendite. „Beides kann in der heutigen Situation sogar ein gutes Angebot sein“, erklärt Enz. „Allerdings nur für Menschen, die gewisse Risiken eingehen können und sich ausführlich beraten lassen“. Für den Normalbürger ist es aus Sicht des ehemaligen Landtagskandidaten hingegen kaum möglich, eine vernünftige Rendite zu bekommen.

Verschuldung steigt

Die Schuld sieht er allerdings nicht bei den Banken und Sparkassen. „Die verantwortungslose Politik der Bundesregierung hat dazu geführt, dass weite Teile der Bevölkerung keine Lust aufs Sparen haben“. Eine Aussage, die Enz eindrucksvoll mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegt. Lag die Sparquote zu Beginn der 1990-er Jahre noch bei über 12 Prozent, so ist sie im Jahr 2017 auf knapp 10 Prozent des verfügbaren Einkommens gesunken. Gleichzeitig ist die Zahl der Ratenkredite im letzten Jahr um 342.000 Stück auf den Rekordwert von 8 Mio. Verträgen gestiegen. „Weil es keine Zinsen gibt, fehlt die Motivation Geld zurück zu legen. Gleichzeitig ist es günstig, Konsum zu finanzieren und über seine Verhältnisse zu leben“, weiß Enz – der selbst gelernter Bankkaufmann ist.

Aus Sicht des Höchstadter Sozialpolitikers eine fatale Spirale, die sogar gezielt befeuert wird. „Mit Steuergeld subventionierte Pseudo-Verbraucherschützer wie Finanztest werden nicht müde, Sparverträge, Renten- oder Lebensversicherungen schlecht zu reden“, kritisiert Enz. Bessere Alternativen hätten sie bislang jedoch nicht benannt. „Das ist so gewollt. Denn es lenkt davon ab, dass die überschuldeten Staatshaushalte keine höheren Zinsen verkraften würden – und stärkt über den privaten Konsum gleichzeitig die Wirtschaft“. Doch damit, so warnt der Experte für Generationengerechtigkeit, nähmen Merkel und Scholz bewusst in Kauf, dass kurzfristige Probleme zu langfristigen werden.

Gespart wird nicht für Zinsen

„Denn niemand spart, um Zinsen zu bekommen. Geld wird zurückgelegt, um einen großen Kapitalbedarf in der Zukunft zu decken“, erklärt Enz. Etwa für die nächste Waschmaschine, ein neues Auto oder den Ruhestand. „Auf der einen Seite ist Berlin nicht in der Lage, jüngeren Menschen später eine ausreichende staatliche Rente zu garantieren. Auf der anderen Seite wird durch die Null-Zins-Politik private Vorsorge destabilisiert. Da ist es kein Wunder, dass Menschen Angst vor Altersarmut haben“. Diese, so hatte Bezirksrätin Dr. Ute Salzner im Wahlkampf betont, sei jedoch unbegründet. Könne beispielsweise ein Rentner kein Pflegeheim bezahlen, so würde ihm über Hartz IV ein Platz zugewiesen. „Solche Äußerungen sind Wind in den Segeln der Populisten. Sie zeigen, dass die Akteure der GroKo jede Bodenhaftung verloren haben“, betont Enz. Er fordert zum Weltspartag 2018 zügiges Gegensteuern.

Staatsgarantien für kleine Sparer

„Keine Zinsen und eine Inflation von derzeit 2,3 Prozent ist eine kalte Enteignung des Bürgers“, erklärt Enz. Deshalb fordert er einen mit Steuergeld gestützten Zins von 1 Prozent über der Inflationsrate für private Anleger. „Außerdem brauchen wir eine staatliche Garantie für in Renten- und Lebensversicherungen eingezahlte Beiträge“, so Enz. „Dies würde Versicherungen in die Lage versetzen, auch im jetzigen Marktumfeld attraktive Produkte zu gestalten“. Denn, so macht Enz deutlich, für Großkonzerne – beispielsweise im Energiesektor – ist Investitionssicherheit auch gegeben. Werden solche Maßnahmen nicht ergriffen, da ist sich Christian Enz sicher, leben immer mehr Menschen in den Tag. „Wenn vielen Menschen klar ist, den Lebensabend auf Sozialhilfeniveau verleben zu müssen – egal wie sehr sie vorher buckeln – dann fehlt doch jede Motivation, etwas zu leisten. Wenn aber zu wenige Menschen bereit sind Leistung zu bringen, bricht der Sozialstaat zusammen. Das kann keiner wollen“, mahnt Enz.

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