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Feiertage für Enz mehr als Zwangsurlaub

FW-Landtagskandidat tritt für Schutz von Ladenöffnungszeiten ein

BAD WINDSHEIM / HÖCHSTADT / ROTHENBURG – Am vergangenen Wochenende veranstalteten die Freien Demokraten ihren Landesparteitag in Bad Windsheim. Dort wurde die Freigabe der Ladenöffnungszeiten zum zentralen Wahlkampfthema bestimmt. Damit folgt die FDP einem Antrag der Jungen Liberalen und trifft bei Christian Enz auf totales Unverständnis. Der aischgründer FW-Landtagskandidat sieht in diesem Ziel einen neo-liberalen Angriff auf Arbeitnehmerrechte und protestiert.

 

Die Botschaft der Freien Demokraten ist klar. Sie wollen im Oktober in den Bayerischen Landtag einziehen – und dort für die Abschaffung von Beschränkungen bei den Ladenöffnungszeiten eintreten. Jeder Unternehmer soll selbst entscheiden können, wann er sein Geschäft öffnet und wie lange – so die FDP. Für den Höchstadter Landtagskandidaten Christian Enz ist dies eine ungebührliche Forderung. „Bereits jetzt haben wir extrem unter den Folgen der 1968-er Bewegung zu leiden“, sagt der Freie Wähler. „Man hat das individuelle Wohl zum höchsten Gut erklärt – und dabei die Bedeutung des gemeinschaftlichen Zusammenlebens mit Familie und Freunden völlig außen vor gelassen“.

Niemandem geht es besser, wenn es einem anderen schlechter geht

Wie wichtig es ist, gemeinsam mit anderen Zeit zu verbringen, wird gerade am Osterwochenende deutlich. Das um zwei Feiertage verlängerte Wochenende wird in der Regel von vielen genutzt um auch in der Ferne lebende Familienangehörige und Freunde zu treffen. Möglich ist dies laut Enz deshalb, weil durch die gesetzlich vorgegebenen Feiertage die meisten gleichzeitig frei haben. „Natürlich ist mir bewusst, dass es einige Berufsgruppen gibt die auch an Feiertagen oder dem Wochenende arbeiten müssen“, unterstreicht der Landtagskandidat. „Menschen im sozialen Bereich, im Rettungsdienst, den Verkehrsbetrieben oder der Gastronomie ermöglichen es der Mehrheit, sicher und friedlich das Osterfest zu feiern“. Anders als Teile der FDP sieht Enz darin jedoch keinen Grund, gesetzliche Vorgaben für Feiertage, Wochenenden oder Ladenschluss aufzuheben. „Niemandem geht es dadurch besser, dass ein anderer auch keinen freien Tag mehr hat. Wer Arbeit zu unwirtlichen Zeiten honorieren möchte, muss dies über den Gehaltszettel tun“.

Rückfall in die Kaiserzeit

Auch erkennt Enz in der Deregulierung von Ladenöffnungszeiten keine unternehmerische Freiheit. „Wenn die FDP sagt, jeder darf selbst entscheiden, dann ist das ein schlechter Witz“, kritisiert der Höchstadter. „Wenn einer länger auf macht, müssen alle anderen mitziehen – sonst können sie sich auf Dauer nicht halten“. Das gilt aus Sicht von Christian Enz für Unternehmer wie für Angestellte. „Hat sich ein Arbeitgeber entschlossen, bis in die Puppen zu öffnen, dann muss man als Angestellter mitziehen – sonst ist man seinen Job los. In der Praxis müssen Mini-Jobber dann auch noch Nachtschichten einlegen um überhaupt etwas zu verdienen“, beklagt der Experte für regionale Wirtschaftskreisläufe. „Der Abbau sozialer Standards, wie die Regulierung der Ladenöffnungszeiten in Bayern, ist deshalb keine moderne Politik. Es ist ein Rückfall in die Kaiserzeit“.

Seit gut 20 Jahren betreut Christian Enz verschiedene Einzelhändler und wirkt im Stadtmarketing. „Deshalb ist mir bewusst, dass der Stationäre Einzelhandel bereits jetzt ums Überleben kämpft. Internetriesen wie Amazon agieren von Steueroasen aus und können Lohndumping betreiben“, kritisiert Christian Enz. Die Händler vor Ort würden jedoch faire Löhne bezahlen und mit Gewerbesteuer das Gemeinwohl erhalten. „Eine Ausdehnung der Öffnungszeiten wäre für viele der Todesstoß“. Denn, so der gelernte Bankkaufmann, jeder Kunde könne einen Euro nur einmal ausgeben. „Längere Öffnungszeiten bedeuten nicht mehr Geschäft“. Deshalb schüttelt er beim Lesen der durch die Jungen Liberalen vorgetragenen Argumente den Kopf – ohne ihnen jedoch einen Vorwurf zu machen.

Abkehr von den Idealen Theodor Heuss‘

„Die haben im Leben noch keine Stunde selbst hinter einer Ladentheke gestanden, woher sollen sie wissen wie es in der Realität zugeht?“ Kritik übt er hingegen an den erfahreneren FDP-Mitgliedern. „Der Parteitag wäre der Moment gewesen dem neo-liberalen Gedankengut des Parteinachwuchses Einhalt zu gebieten. Aber die FDP ist eben nicht mehr die sozial-liberale Partei eines Theodor Heuss. Hier haben nur noch die Lobbyisten der Konzerne und das Großkapital das Sagen. Nicht gestandene Handwerker und Händler“. Eine Freigabe der Ladenöffnungszeiten würde hingegen das soziale Zusammenleben weiter erschweren. „Unsere Gesellschaft beruht jedoch auf einem Miteinander“, mahnt Enz. „Bereits jetzt fehlt es vielerorts an Ehrenamtlichen – weil die Menschen zu wenig regelmäßige und gemeinsame Freizeit haben“. Hinzu kommen aus Sicht des Sozialpolitikers immer mehr verhaltensauffällige Jugendliche. „Wie sollen junge Menschen auch ihren Platz in der Gesellschaft finden, wenn niemand Zeit für sie hat?“ Vor diesem Hintergrund ist die Position des Freien Wählers eindeutig. Er tritt für einen Erhalt von Feiertagen und Ladenöffnungszeiten ein. „Weil eine intakte, menschliche Gesellschaft mehr wiegt als das Interesse von Ladenketten und Konzernen.“

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