AktuellesBayern

Hochschulstandort Rothenburg besichtigt

Landtagsfraktion vor Ort in der neuen Außenstelle der FH Ansbach

Ab 2017 soll die frühere freie Reichsstadt Rothenburg o.d.Tbr. Hochschulstadt sein. Möglich wird dies durch Einrichtung einer Außenstelle der Fachhochschule Ansbach. Eine tolle Sache für eine strukturschwache Region – und Grund für die Landtagsfraktion der Freien Wähler einen Ortstermin zu machen. Im Anschluss an die Besichtigung der Grundschule Luitpoldschule, hier soll die FH künftig untergebracht sein, ging es dann ins Rathaus.

In einer Diskussionsrunde mit Oberbürgermeister Walter Hartl und der Stadtratsfraktion der Freien Rothenburger Vereinigung stellte man sich dann dem Spannungsfeld Denkmalschutz und Zukunftsperspektiven. Fraktionssprecher Dr. Karl-Heinz Schneider, lange Jahre auch Vorsitzender des Heimatvereins Alt-Rothenburg, verwies zu Recht auf die kulturelle Bedeutung alter Bausubstanz. Allerdings wurde klar, dass der Erhalt alter Gebäude immer schwieriger wird – weil damit aktuelle Vorschriften nicht oder nur mit hohem finanziellen Aufwand erfüllt werden können. Die Folge ist häufig Aufgabe und Verfall der Immobilien – wie Axel Rogner, stellv. Bezirksvorsitzender der Freien Wähler, mit aktuellen Beispielen belegte.

Doch sind die ausufernden Vorschriften tatsächlich der entscheidende Grund dafür, dass traditionsreiche Gebäude nicht mehr genutzt werden und Immobilien mit ruhmreicher Vergangenheit dem Verfall preisgegeben werden? “Warum sollte man eigentlich in historische Gebäude investieren, wenn einem die Auflagen das Leben schwer machen und man Einschränkungen in der Nutzung hinnehmen muss?” wollte Gabi Schmidt, MdL, wissen. Die Antwort war für Dr. Karl-Heinz Schneider selbstverständlich. Er verwies auf die Verpflichtung gebenüber oft jahrhundertealtem Familienbesitz ebenso, wie auf die Verbundenheit mit den Menschen, die in einem Viertel, einer Gasse zu Hause sind.

Meiner Meinung liegt genau dort das Kernproblem. Gerade in ländlichen Räumen gelingt es all zu oft nicht mehr, jungen Menschen mit einem attraktiven Arbeitsmarkt vor Ort zu halten. Schuld daran hat nicht nur die Wirtschaft. Auch die Staatsregierung hat mit Konzentration und Abzug von Ämtern einen wesentlichen Teil dazu beigetragen – was Markus Söder mit seinem Heimatministerium nun geschickt zu kaschieren sucht.

Christian Enz

Warum aber sollte man alte Bausubstanz erhalten? In Rothenburg mag dies wirtschaftliche Interessen haben – schließlich lockt das mittelalterlich verklärte Stadtbild jährlich gut 2 Mio. Touristen an. Andernorts gibt es diese Wirkung jedoch nicht. Wozu also? Die Antwort ist klar: Zukunft braucht Herkunft. Und geschichtsträchtige Immobilien sind allgegenwärtige Zeugen unserer Identität. Den immateriellen Wert den sie in sich Tragen erkennt bewusst jedoch nur der, dessen Wurzeln sie symbolisieren. Wer es ernst meint mit Erhalt von Denkmälern, Kultur und Gesellschaft der darf sich nicht hinter überbordender Regulatorik von Normen und Vorschriften verstecken – wenngleich es diese immer kritisch auf Notendigkeit zu hinterfragen gilt. In erster Linie muss er sich jedoch mit den Lebensbediungen junger und kommender Generationen befassen. Nur wenn diese dort ein Auskommen finden wo sie ihre Wurzeln haben, haben Sie den Freiraum und das Interesse, ihr Erbe in Ehren zu halten.

Tags

Related Articles

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top button
Close
Close

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen